Achtung Baby

Achtung Baby

Bitte mal nachladen in Sachen Soli.

Wieder wütet ein Typ mit einem Sturmgewehr in den Vereinigten Staaten, wieder Dutzende Tote. Und wieder Ursachenforschung, wieder die Erklärer, wieder die Demagogen, wieder Kopfschütteln, und am Ende: weiter, mal wieder.

Was kann man auch anderes tun als normaler Durchschnittsmitteleuropäer als sich aus der Ferne zu gruseln? Nichts, natürlich. Aber ernst nehmen sollten wir die Eskalation der Eskalation (gibt es das überhaupt?) trotzdem. Wenn Mitglieder einer uns nahestehenden Gesellschaft des Westens sich immer wieder solch krasser Gewalt bedienen, dann tut ein kritischer Blick auf unsere eigenen Abwehrmechanismen gut.

Anders als in den USA kann sich hier nicht jeder derangierte Depp für kleines Geld eine Waffe kaufen. Das ist schonmal die halbe dreiviertel Miete. Aber vergessen wir auch nicht eine andere diabolische Zutat: Die Wut im Kopf, diese geistige Kälte.

Der ist schwerer beizukommen. Ohne hier das zwanzigste Psychogramm des Täters aus Texas zeichnen zu wollen, ein gutes Leben hatte der sicher nicht. Und so einem ist auch anderer Leute Leben nichts wert.

Einer Gesellschaft in der sich immer wieder solche Tragödien abspielen fehlt es an einem Grundmaß an Solidarität. Keine Idee, kein Kontrakt den alle quasi bei Geburt unterschreiben mussten. Keine Kirche kann wett machen was die Ellenbogengesellschaft jedem Einzelnen täglich an Verrohung abverlangt. Und der Patriotismus, die letzte Zuflucht aller Maulhelden, der bringt höchstens den geistig Einfachen etwas Trost in ihren Trailer Parks.

Das Wir-Gefühl einer Gesellschaft verschwindet immer leise und durch die Hintertür. In Zeiten wie diesen sollten wir gut auf unseres aufpassen.