Wunde Knie

Wunde Knie

Wer bei der U.S. Hymne nicht aufrecht steht und mitsingt, der ist ja eigentlich schon ein Terrorist. Oder wie man in Sachsen sagt: “Volksfahrräder!”

Seit dem Sommer knien viele schwarze Footballspieler vor jedem Spiel der National Football League beim Singen der Nationalhymne. Sie tun das, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu protestieren, und sie bedienen sich dabei Gesten der “Black Lives Matter” Bewegung und schwarzen Bürgerrechtlern zur Zeit der Rassentrennung in den USA.

Die amerikanische Rechte, angeführt von President Donald Trump, hat diese Form von Protest von Anfang an als Vaterlandsverrat verschrien. Wer bei der Hymne nicht aufrecht steht und mitsingt, so der Vorwurf, der ist ja eigentlich schon ein Terrorist. Oder wie man in Sachsen sagt: “Volksfahrräder!”

Diese Lesart, in den Medien ad-infinitum wiederholt, hat nun offenbar Oberwasser in der öffentlichen Meinung gewonnen. Zumindest aber fragen sich jetzt selbst die, die bislang eher gleichgültig waren: “Stehen ist ja auch nicht zu viel verlangt, oder?” Von Polizisten abgeknallte Schwarze hin oder her.

Das ganze hat gerade eine neue juristische Dimension bekommen, die sich als äußerst spannend heraustellen könnte, wie die Washington Post berichtet. Trump hat nämlich getwittert, man solle der Liga die öffentlichen Gelder und Steuervergünstigungen streichen, wenn sie ihre Spieler nicht vom Protest-Knien abhalten kann.

Die millionenschweren Spieler sind zwar unter sich gewerkschaftlich organisiert, sind aber eben auch Angestellte ihrer jeweiligen Clubs. Und weil Football ein Milliarden-Geschäft ist, das sich am besten ohne lästige Vermischung von politischen und sozialen Unbillen sonntags vor dem Fernseher abspielt, ist den Teambesitzern an einer schnellen Beendigung der Kampfhandlungen gelegen.

Es könnte also sein, dass die Clubbosse beim Treffen am 17. und 18. Oktober beschließen, die Protest-Handlungen in der ganzen Liga schlichtweg zu verbieten. Als Besitzer der Spieler, im übertragenen Sinne, könnten sie das. In diesem Falle wäre es wahrscheinlich arbeitsrechtlich schwierig für die Spieler, die gern weiterknien wollen, ihr Tun als ein Ausdruck der Meinungsfreiheit geltend zu machen ohne Verstöße gegen ihre Arbeitsverträge in Kauf zu nehmen.

Dass Trump nun den Kniern sozusagen mit wirtschaftlichen Sanktionen droht – nämlich Subventionen und sonstige finanzielle Bonbons der öffentlichen Hand vorzuenthalten – heißt aber, dass die Spieler nun einen Grund für ihren Protest hätten, der rechtlich mehr Substanz hat. Die Drohung eines Präsidenten, der allein ja gar nicht das Recht hätte, derartige Strafmaßnahmen zu erlassen, wäre sozusagen ein Paradebeispiel dafür, wann man in den USA weitreichende Rechte zur freien Meinungsäußerung gegen die Regierung hat.

Natürlich wäre dann der ursprüngliche Protestgedanke, nämlich die alltägliche Polizeigewalt gegen Schwarze, völlig ad absurdum geführt. Aber das interessiert viele eh schon nicht mehr.

(Photo credit: Keith Allison, Wikimedia, Creative Commons)